Fragen an Johannes Kaußler

Sie sorgen für Töne, Klang und Atmosphäre in den Gemeinden – die Kirchenmusiker. Künstler sind sie, Pädagogen, Theologen, Veranstalter und Standbein des Gemeindelebens. Vielleicht mehr als das gesprochene Wort erreicht das musizierte Wort die Seele. Was treibt die „unsere“ Musiker an? Achtzehn Fragen haben wir ihnen gestellt.

Johannes Kaußler

Worauf kommt es Ihnen als Chorleiter an?

Spaß, nein: Arbeit – das Menschliche? – also: Musik mit Menschen, (mit) denen die Arbeit mit Musik Spaß macht. Würde ich sagen,

Was ist für Sie gute Musik?

Gute Musik ist eigentlich GEISTLICHE Musik ist für mich. Und das ist – schnell gesagt - Musik, deren Schöpfer einen Draht zu unserem Schöpfer hatte und der es uns daher ermöglicht, selbst durch die Musik den Blick nach „oben“ zu öffnen.

Welche Musik und/oder welcher Musiker inspiriert Sie?

eben Musik und Musiker, die eine solche Perspektive zu eigen haben.

CD oder Spotify?

Kaum CDs. Noch weniger Radio, etwas Internet

Kopfhörer oder Lautsprecher?

Ich hatte lange eine gewisse Neigung zu Akustikfetischismus: Verkünstelung in audiophile Spielereien. Mittlerweile siehe 4) und: konservierte Musik ist unabhängig von ihrer Wiedergabequalität pasteurisiert, homogenisiert, sterilisiert, nur scheinbar naturidentisch.

Klatschen in der Kirche – was halten Sie davon?

kommt auf die Kirche an und auf die Situation.

Unplugged oder mit elektrischer Verstärkung?

Verstärkung ist allenfalls eine akustische Notwendigkeit in Freiluftveranstaltungen. Innenräume haben ja nicht nur den Sinn, vor Witterungseinflüssen zu schützen, sondern auch die Menschen akustisch zu verbinden. Verstärkung ist heute oft ein unreflektierter Reflex, resultierend unter Umständen aus einer gewissen Unsicherheit heraus und beim Hörer motiviert durch die regelbare Lautstärke der diversen Medien.

Auswendig oder mit Noten musizieren?

Wenn’s auswendig geht: prima. Vielfach ist die Musik ja technisch so anspruchsvoll, dass es im Prinzip auswendig ist, auch, wenn man man Noten dastehen hat.

EG (Evangelisches Gesangbuch) oder Neue geistliche Lieder?

EKG.

Gibt es einen Qualitätsunterschied zwischen „klassischer“ Kirchenmusik und populärer Kirchenmusik?

logisch gibt es einen prinzipiellen Unterschied. Die Qualität ist eine Frage der Definition. Die Frage ist meiner Meinung nach, was im Sinne von 2) GEISTLICHE Musik ist. Das ist oft Musik in Kirchen, aber nicht jede Musik in Kirchen und ebenso wenig jede Musik, die einen Text aus der Bibel vertont. Das ist eine Frage der Perspektive.

Richtig oder falsch: Lieber falsch als gar nicht singen.

Ja, das mit dem Gemeindegesang ist ein Fass, wo der Boden nicht tastbar ist… Ist „heute“ Gemeindegesang in seiner Wirkung auf den Gottesdienstbesucher noch das Gleiche wie in den Zeiten, als die „Klassiker“ des Gesangbuches geschrieben wurden? Ist das Mitsingen von solistisch dargebotenen Gitarren-Schlagern damit vergleichbar? Können wir in einem Gottesdienst beides nebeneinander Sinn-voll machen? Wenn die Frage wäre: was bedeutet es Ihnen, selbst in der Gemeinde als Gottesdienstbesucher mitzusingen, hätte ich schon ganz differenzierte Antworten. Diese würden aber die Sache nicht einfacher machen;-)

Ein gewisser Gradmesser für mich sind die Choräle in den Kantaten und Passionen von Bach, die – scheinbar – schlichte Gemeindelieder sind.

Jedenfalls geht es mit dem Singen schon an die Substanz dessen, was Gottesdienst ist. Wenn man dann noch das Sprechen dazu nimmt… Die Frage „Was ist Gottesdienst“ ist zumindest teilidentisch mit der Frage „Was ist Gemeindegesang“.

Insofern: was ist schon „falsch“?

Wird die Orgel auch zukünftig in unseren Kirchen das zentrale Musikinstrument bleiben?

Ist sie das denn? …noch? Das hängt von dem ab, was Gottesdienst sein will und, was sich dann als geeignetes Instrumentarium anbietet.

Sonntagmorgen als ganz normaler Gottesdienstbesucher: Freuen Sie sich auf`s Singen?

Ich sing immer mindestens die erste Strophe mit. das macht mir aber wahrscheinlich nur so viel Spaß, weil ich zugleich auch spiele! Ob ich am Singen allein ebenso viel Freude hätte?

Gibt es Musik, die Sie ablehnen?

durchaus. Musik, die nicht im dargestellten Sinn GEISTLICH ist. Und das ist eine ganze Menge ;-)

Wie reagieren Sie, wenn jemand sagt: „Ich bin total unmusikalisch“?

Ich bin total unsportlich. Sowas kommt schon vor!

Muss man auch Musikhören üben?

Musikmachen muss man üben. Das Hören stellt sich dann schon entsprechend ein.

 

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