Predigten

Wie oft haben Sie schon beim Hören einer Predigt gedacht: "Das war ein guter Gedanke. Schade, dass ich nichts zum Schreiben dabei habe." Dem Wunsch, das gesprochene Wort zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen zu können, entsprechen wir auf dieser Homepage. Ausgewählte Predigten, die im Kirchenkreis Rotenburg gehalten wurden, werden auf diesen Seiten veröffentlicht.

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Datum
Titel
Name
So. 19.05.13
Pfingstpredigt
Olaf Feuerhake
Pfingstpredigt

Pfingstpredigt 2013

(Pastor Olaf Feuerhake)

 

Liebe Gemeinde,

 

vorgestern Abend habe ich mit den Konfirmandenteamern zusammengesessen – also den Jugendlichen aus unseren drei Gemeinden, die sich im Konfirmandenunterricht engagieren und ihn zu wesentlichen Teilen selbständig gestalten. Wir haben Rückblick gehalten auf den zurückliegenden Konfirmandenjahrgang. Der Unterricht ist zu Ende. Die Konfirmationen liegen hinter uns. Einige der Teamer werden sich verabschieden aus der Arbeit, einige machen weiter, neue Teamer werden nach dem Sommer dazukommen. Feedback nennt man das ja heute, wenn man sich am Ende nochmal zusammensetzt und sich gegenseitig seine Beobachtungen berichtet: Was ist gut gelaufen im letzten Jahr, was ist weniger gut gelungen? Was wollen wir in Zukunft anders machen?

Das war eine lebendige und schöne Runde – und geendet hat sie am späten Abend mit einem Dankeschön-Grillfest, das wir für die Jugendlichen ausgerichtet haben. Sonja, Du bist ja auch dabei gewesen.

Trotz aller guten Laune haben aber auch die schwierigen Themen ihr Recht eingefordert. Probleme in der Gruppe, Spannungen, die es gegeben hat. Dann war bei einigen auch die Trauer zu spüren, dass im nächsten Jahr nicht mehr alle dabei sind. Und ein paar Sorgen gingen auch in die Richtung: Wie wird das nach den Sommerferien werden, wenn die Neuen dazukommen. Werden wir uns verstehen? Wird es ein ungutes Gefälle geben zwischen den erfahrenen Teamern und den neu dazukommenden? – Da war schon auch ein bisschen dieses Gefühl zu spüren: Ach, am liebsten würden wir in der alten Gruppe zusammenbleiben, schön kuschelig das Ganze nochmal erleben, was gut gewesen ist. Aber so ist das Leben ja nicht. Veränderungen gibt es ständig.

Was machen wir denn, damit das im nächsten Jahr gut anläuft, in der neuen Besetzung, fragte einer. Ein anderer antworte: Ich glaube, wir müssen uns Zeit für uns als Gruppe nehmen. Wir müssen die neuen gut kennenlernen und dafür sorgen, dass wir ein gutes Team werden.

Wie wär’s, sagte jemand, wenn wir über ein Wochenende verreisen. Nicht, um gleich den Konfirmandenunterricht vorzubereiten, sondern nur, um als Gruppe warm miteinander zu werden. Damit wir ein gutes Team sind. Damit wir uns kennen- und schätzen lernen.

Und kaum war dieser Vorschlag ausgesprochen, da fing das Leuchten in den Augen der anderen an. „Ja, das machen wir!“, hörte ich es von allen Seiten. „Super Idee, das wird uns weiterbringen.“ Und bei denjenigen, die jetzt eigentlich aussteigen, z.B. weil sie im Sommer für ein Jahr ins Ausland gehen, kam so ein flehender Ton in die Stimme, und es waren Sätze zu hören wie „Oh, bitte macht das aber noch im Juli, ich will da nämlich auch noch mitfahren.“ Kurzum, die Stimmung war großartig. Als sich schließlich alle voneinander verabschiedeten hörte ich überall: „Also dann, spätestens bis zu unserem gemeinsamen Wochenende, ich freue mich schon drauf…“

 

Liebe Gemeinde, ich glaube, das war mein Pfingsterlebnis in diesem Jahr. Die Begeisterung der Jugendlichen bei dem Gedanken „wir machen was Großes zusammen“, das hat mich sehr berührt. Die Lust, und die Freude.

 

Pfingsten, das hat ja ohnehin immer etwas mit einer Gruppe zu tun. – Die Pfingstgeschichte haben wir eben wieder gehört. Sonja Högermeyer hat sie vorgelesen.

Auch damals saß eine Gruppe zusammen. Es waren die ersten Jünger. Die Stimmung allerdings war nicht so gut wie vorgestern hier im Gemeindehaus. Der Schreck von Karfreitag saß ihnen noch in den Gliedern. Klar, Ostern hatten sie erlebt: das leere Grab und die Botschaft „Jesus ist auferstanden“. Aber eines hatte sich doch verändert, und das war nicht leicht zu verkraften: Jesus war nicht mehr unter ihnen.

Da saßen Sie nun, aber eine große Lücke klaffte in ihrer Runde. Derjenige, der ihnen so sehr am Herzen gelegen hatte, er war nicht mehr da. Wie sehr vermissten sie ihn. Wie fehlten ihnen seine Worte, sein einfühlsames Zuhören, und seine berührenden Reden von der Liebe Gottes, die unser Leben verändern könnte. Sie hatten große Hoffnungen für die Zukunft gehabt. Keiner hätte damit gerechnet, dass sie plötzlich ohne ihren Meister dasitzen würden. Und ich bin sicher, alle sehnten sich zurück in die kuschelige Atmosphäre der alten, vollständigen Gruppe. Aber so ist das Leben nun mal nicht.

Ihre Aufgabe war es, nach vorne zu schauen. Zu fragen, wie es weitergehen kann, ohne diesen vertrauten Menschen in ihrer Runde. Ich stelle mir die Jünger und Jüngerinnen ratlos vor, zaghaft, auch ängstlich.

Naja, wie es dann weiterging, damals in jenem Jerusalemer Haus, das haben wir gehört. Eine Art Brausen war zu hören, wie ein Wind zog es durch die Räume. Es setzten sich Feuerzungen auf die Jünger, und sie gerieten in eine begeisterte Erregung. Angeblich haben sie dann plötzlich in verschiedenen Sprachen gesprochen, so dass die ganzen jüdischen Pilger, die in Jerusalem waren (aus aller Herren Länder) diese Jüngergruppe in ihren Muttersprachen sprechen hörten (Parther und Meder und Elamiter, die aus Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien und so weiter und so weiter – sie alle hörten ihre Muttersprache).

Zugegeben, ein bisschen legendenhaft klingt das schon. Und dass das alles wirklich so gewesen ist, will ich nicht behaupten. Aber eines ist doch erkennbar, durch all diese Legendenmotive hindurch: Da hat ein verzagtes Häuflein von Jüngern, die einen schweren Verlust erlitten hatten und die nicht so recht wussten, wie das Leben nun weitergehen sollte, plötzlich die Erfahrung neuer Lebensfreude gemacht. Neue Energie durchströmte sie. Der Wunsch, zu neuen Ufern aufzubrechen, das eigene Leben und das Leben in der Gruppe gemeinsam zu gestalten… Und welche Energie da plötzlich freigesetzt war, das lesen wir dann in den nächsten Kapiteln der Apostelgeschichte: sie fangen an zu predigen, sie begeistern andere Menschen von ihrem Glauben, die Gemeinde wächst und wächst. Sie gründen eine Armenfürsorge für die Witwen und Waisen, sie ziehen in alle Himmelsrichtungen und gründen überall im östlichen Mittelmeerraum neue Gemeinden. – Was für eine Energie. Was für eine Lebensfreude.

Liebe Gemeinde, ich denke nochmal an vorgestern Abend. Da äußert jemand eine Idee, die er mit Leidenschaft vorträgt, und die anderen lassen sich anstecken. Und dann kommt eine Begeisterung in Gang, die alle beflügelt. Der Wunsch, gemeinsam in der Zukunft etwas zu gestalten und dabei Freude miteinander zu haben. Und das, was bisher schwierig oder schmerzlich war, dabei hinter sich zu lassen. Wissen Sie, wenn Sie mich nach Pfingsten fragen, ich würde behaupten: Das ist es eigentlich schon. Das ist der Geist Gottes… der uns bewegt, der uns mit Kraft erfüllt und immer wieder nach vorne streben lässt.

Die Sache mit den Feuerzungen und den verschiedenen Sprachen, all diese Wunderdinge, die scheinen mir alle symbolisch zu sein – und sind gar nicht so wichtig. Was Pfingsten im Grunde meint, ist dieses: Dort, wo Menschen sich begegnen und miteinander eine positive Energie entfalten, da weht der Geist Gottes.

 

Ich behaupte, das haben wir alle schon erlebt. Und nicht nur einmal – ob in der Arbeit im Kirchenvorstand oder in einer der anderen vielen Gruppen unserer Gemeinde. Oder ganz besonders natürlich in der eigenen Familie oder im Beruf.

Vielleicht ist das Pfingstfest ein guter Anlass, um darüber nachzudenken: Wo ist mir das widerfahren, dass ich mit Menschen in Kontakt war und sich in dieser Begegnung eine Lebensenergie, eine Freude, eine Begeisterung ergeben hat, die uns zu neuen Ufern aufbrechen ließ. Die uns Kraft gab, das Alte, das Schmerzhafte zu überwinden.

Dort, wo Sie in Ihrem Leben solche Erfahrungen gemacht haben, ich würde sagen, dort haben Sie den Geist Gottes erfahren. Seine lebendigmachende Kraft.

Liebe Gemeinde, zwei ergänzende Gedanken zum Schluss:

Erstens: Der Geist Gottes weht, wo er will, heißt es in der Bibel. Ich frage mich: Kann man solche Erfahrungen eigentlich herbeirufen? Oder muss ich warten, bis mich der Geist Gottes endlich mal berührt, wann er es will? Ich glaube, wir können das beeinflussen. Wir können das nicht machen, nein, das bleibt Gottes Sache. Und manchmal bleibt der Geist Gottes eben auch aus. Das muss man dann hinnehmen. Aber wir können uns solchen Situationen aussetzen, in denen es wahrscheinlich ist, dass der Geist Gottes zu wehen beginnt. Ich persönlich glaube, es ist schwierig, den Geist Gottes alleine zu erleben. Gott hat uns als Menschen erschaffen, die Gemeinschaft brauchen. Die sich erst vollständig fühlen, wenn sie mit anderen Menschen zusammen sind. Und darum ist Pfingsten nicht ohne Grund das Erlebnis einer Gruppe gewesen. Ich will damit sagen: Suchen Sie die Gemeinschaft. Suchen Sie die Nähe von Menschen, die Ihnen guttun – mit denen zusammen sie Lebensfreude, Begeisterung, Aufbruch erleben. Dort wird Gottes Geist spürbar.

Ein kluger Mensch hat mal gesagt: Der Geist Gottes, das ist eigentlich das, was zwischen uns Menschen geschieht. Gottes Geist, das ist Kommunikation. Gelingende Kommunikation meint er natürlich. – Eine besser Definition habe ich nicht gefunden.

Zweiter und letzter Gedanke: Nun habe ich von einer Jugendgruppe gesprochen, die mit Begeisterung in ein gemeinsames Wochenende fahren will. Von Jüngern, die vor Begeisterung in unterschiedlichsten Sprachen sprechen. Da könnte man denken, der Geist Gottes hat immer etwas mit Hochstimmung zu tun. Ich denke daran, dass wir in unserer Gemeinde in der letzten Woche 4 Menschen zu Grabe getragen haben, und die Angehörigen dieser Menschen sind heute unter uns. Wenn ich hier von pfingstlicher Begeisterung und Hochstimmung rede, dann ist das vermutlich Ihr Thema, liebe Angehörige, in diesem Augenblick nicht. Wahrscheinlich sind Sie eher mit Trauer und schmerzvollem Abschied beschäftigt. Deshalb ist es mir wichtig zu sagen, dass in der Bibel der Geist Gottes ganz oft als Tröster bezeichnet wird. Auch das kann eine Geisterfahrung sein: In der Gemeinschaft mitfühlender und verständnisvoller Menschen zu merken, hier bin ich aufgehoben mit meinem Schmerz, hier habe ich Ruhe und Schonraum, und hier darf ich warten, bis mein Herz wieder heile wird durch die wohltuende Nähe der anderen. Auch das versteht die Bibel unter dem Wirken des göttlichen Geistes.

Wo immer Sie gerade stehen und was immer Sie beschäftigt: Dass Sie in diesen Pfingsttagen die wohltuende Erfahrung lebensfördernder Gemeinschaft machen – das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Amen.

 

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Olaf Feuerhake

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